Minecraft mag zwar auf Blöcken und virtuellen Welten basieren, doch seit 2020 beherbergt das Spiel auch eine Bibliothek, die zensierten Journalismus zugänglich machen soll. Die von Reporter ohne Grenzen (RSF) gemeinsam mit dem Kollektiv BlockWorks geschaffene Uncensored Library veröffentlicht Artikel, die in ihren Herkunftsländern gesperrt sind, als Bücher im Spiel neu.
Das Projekt baut darauf, dass Minecraft an Orten weiterhin verfügbar sein kann, an denen Nachrichtenseiten und soziale Plattformen eingeschränkt werden. Besucher können die Bibliothek über den Minecraft-Server erreichen oder die vollständige Karte herunterladen und auf ihren eigenen Computern öffnen. Das virtuelle Gebäude umfasst rund 300 Bücher und wird laufend um neue Inhalte ergänzt.
Die 24 Spezialisten von BlockWorks errichteten das monumentale Gebäude im neoklassizistischen Stil innerhalb von drei Monaten. Die Artikel werden in Minecraft-Bücher übertragen, von denen jedes bis zu 100 Seiten fassen kann. Die Texte sind in der Regel sowohl in ihrer Originalsprache als auch auf Englisch verfügbar, und Nutzer können sie auf dem Server nicht bearbeiten. In der Eingangshalle finden sich außerdem Informationen zur Pressefreiheit in 180 Ländern.
Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2020 wurde die Bibliothek mehr als eine Million Mal besucht; ihre Bücher wurden insgesamt rund zehn Millionen Mal gelesen. Zu ihren Sammlungen gehören Berichte aus Russland, Iran, Saudi-Arabien, Vietnam, Ägypten und Belarus, darunter Arbeiten von Journalisten, die wegen ihrer Arbeit inhaftiert, ins Exil gezwungen oder getötet wurden.
Artikel in ein Spiel einzubetten, kann Systeme umgehen, die Nachrichtenseiten sperren oder Domains filtern sollen. Eine vollständige Sicherheit bietet das nicht: Behörden könnten den Zugang zu Minecraft, zum Server des Projekts oder zum Herunterladen der Karte beschränken. Eine herunterladbare Kopie kann jedoch unabhängig vom ursprünglichen Server aufbewahrt und weitergegeben werden, wodurch es schwieriger wird, das Projekt vollständig zu entfernen.
Im März 2026 fügte RSF einen Abschnitt über die Vereinigten Staaten hinzu. Die Organisation unterscheidet das Land von Orten mit systematischer staatlicher Zensur und dokumentiert zugleich indirekten Druck auf die Presse, darunter Einschränkungen beim Zugang zu öffentlichen Informationen sowie die Entfernung von Regierungsseiten oder Daten. Der Raum enthält unter anderem eine Karikatur der Pulitzer-Preisträgerin Ann Telnaes, die The Washington Post nicht veröffentlichen wollte.
Quellen: Focus.it.