Die meisten Ameisenarten nutzen ihre Stachel, um Beute und Bedrohungen Gift oder andere Toxine zu injizieren. Lordomyrma azumai, eine relativ seltene, in Japan vorkommende Art, scheint ihren Stachel anders einzusetzen: Arbeiterinnen geben eine Substanz ab, die einen Faden bildet und Eindringlinge an Ort und Stelle festsetzt.

Das Verhalten wird in einer Studie beschrieben, die als Preprint auf bioRxiv veröffentlicht wurde. Die Substanz wurde bislang nicht identifiziert, doch die Forschenden vermuten, dass sie wahrscheinlich auf Proteinbasis besteht. Der Studie zufolge verfestigt sie sich, wenn sie mit Luft in Kontakt kommt.

Lordomyrma azumai wurde in den 1940er-Jahren entdeckt und beschrieben, aber bislang nicht eingehend untersucht. Die neue Entdeckung gewährt einen ersten Einblick darin, wie die Ameisen ihre Kolonie verteidigen, lässt jedoch wichtige Fragen offen – etwa, was sie tun, nachdem sie einen Eindringling bewegungsunfähig gemacht haben, und ob der Faden neben seiner Klebrigkeit auch giftig ist.

Die Forschenden verweisen zum Vergleich auf Crematogaster-Ameisen: Diese Ameisen verteilen Gift mit einem spatelförmigen Stachel, und das Gift kann bei Kontakt mit Luft einen giftigen Schaum bilden. Der Studie zufolge ist jedoch, soweit den Autorinnen und Autoren bekannt, kein anderes Hautflügler-Insekt – darunter Ameisen, Bienen und Wespen – dafür bekannt, auf diese Weise einen festen Faden zu produzieren.

Der Erstautor Hajime Sasaki sagte, das Sekret könne einen Eindringling wirksam am Boden festkleben und sei damit eine nützliche Verteidigung, selbst wenn es nicht giftig sei. Um festzustellen, ob es Toxine enthält, sind weitere Experimente und eine Analyse der Substanz erforderlich.

Quellen: Focus.it.