Genomeditierungsbehandlungen könnten künftig dauerhaften Schutz vor hohem Cholesterin und anderen weitverbreiteten Erkrankungen bieten und den Bedarf an täglich einzunehmenden Medikamenten verringern. Da sich genetische Veränderungen jedoch möglicherweise nur schwer rückgängig machen lassen, muss laut Forschenden die langfristige Sicherheit geklärt werden, bevor diese Therapien breit eingesetzt werden.
In einem Perspektivbeitrag, der in JAMA Internal Medicine veröffentlicht wurde, legen die Kardiologen Eric D. Smith und Venkatesh L. Murthy vom Frankel Cardiovascular Center der University of Michigan Health Faktoren dar, die Ärztinnen und Ärzte bei der Erwägung genomischer Therapien berücksichtigen sollten. Dazu zählen der Schweregrad der Erkrankung, die Wirksamkeit bestehender Behandlungen, die Dauerhaftigkeit des Eingriffs, die Risiken seiner Verabreichung und die Frage, ob Patientinnen und Patienten über viele Jahre hinweg überwacht werden können.
Gentherapien können ein funktionsfähiges Gen bereitstellen, schädliche genetische Aktivität zum Schweigen bringen oder die DNA direkt verändern. Einige sind als einmalige Behandlungen konzipiert, anders als herkömmliche Medikamente, die meist wiederholt eingenommen werden müssen. Eine einmalige Verabreichung garantiert jedoch keinen lebenslangen Nutzen. Viele Therapien nutzen modifizierte Viren, um genetische Anweisungen zu übertragen. Lässt die Wirkung nach, kann eine Immunreaktion eine erneute Behandlung erschweren.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass Gentherapien derzeit im Allgemeinen auf somatische Zellen und nicht auf Keimzellen abzielen und daher nicht dafür gedacht sind, genetische Veränderungen an künftige Generationen weiterzugeben. Zwar haben diese Behandlungen bei einigen schweren Erkrankungen wichtige Ergebnisse erzielt, doch bei häufigen Krankheiten ergibt sich ein anderes Verhältnis von Risiken und Nutzen.
Für hohes Cholesterin, Herzerkrankungen, Adipositas und Diabetes gibt es bereits etablierte Behandlungen, die angepasst oder abgesetzt werden können, falls bei einer Patientin oder einem Patienten Nebenwirkungen auftreten. Ein dauerhafter genetischer Eingriff bietet diese Flexibilität möglicherweise nicht. Und selbst eine seltene Komplikation könnte viele Menschen betreffen, wenn eine Behandlung Millionen verabreicht würde.
In frühen Studien wird untersucht, ob eine einmalige genetische Behandlung eine anhaltende Senkung des LDL-Cholesterins bewirken kann, das zur Bildung von Fettablagerungen in den Arterien und zum kardiovaskulären Risiko beiträgt. Die Forschenden betonen, dass vielversprechende frühe Ergebnisse allein eine breite Anwendung nicht rechtfertigen würden: Es muss nachgewiesen werden, dass der Nutzen anhält und die Risiken über viele Jahre hinweg auf einem akzeptabel niedrigen Niveau bleiben.
Eine langfristige Überwachung ist daher entscheidend für die Bewertung dieser Behandlungen. Klinische Studien sind oft zu klein und dauern zu kurz, um sehr seltene Komplikationen oder erst Jahre später auftretende Probleme zu erkennen. Smith und Murthy fordern unabhängige, standardisierte Überwachungssysteme, mit denen sich sowohl die Wirksamkeit als auch unerwartete gesundheitliche Auswirkungen in großem Maßstab verfolgen lassen.
Auch die Kosten sind ein Hindernis. Für einige bestehende Gentherapien liegen die Listenpreise bei über 1 Million US-Dollar pro Patientin oder Patient. Den Forschenden zufolge müssten Behandlungen, die für häufige Erkrankungen vorgesehen sind, bezahlbar und zugänglich sein, damit ihre Anwendung die Ungleichheit im Gesundheitswesen nicht weiter verschärft.
Sie weisen außerdem auf die Möglichkeit hin, dass manche genetischen Eingriffe künftig biologische „Ausschalter“ oder andere Methoden zur Umkehrung ihrer Wirkung enthalten könnten. Bis sich solche Schutzmaßnahmen als zuverlässig wirksam erwiesen haben, bleibt die Möglichkeit, herkömmliche Medikamente anzupassen oder abzusetzen, ein wichtiger Vorteil.
Quellen: ScienceDaily.